Carl Rogers, ein Vertreter der humanistischen Psychologie,

 

 

*1902 , + 1986, Sohn eines Agraringenieurs, Geschichte- Studium,  mit 22 Jahren Aufenthalt in China, anschließend Theologiestudium, darauffolgend Psychologiestudium und heilpädagogisch angesetzte Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern ab Mitte der 20er Jahre.

 

Grundlinien seines Denkens:

  1. Die Verbundenheit und Untrennbarkeit des Menschen mit seiner inneren und äußeren Welt; Integrität des Menschen in allen Beziehungen/ Bindungen zur Umwelt und zu sich selbst.
 
  1. Absicht/ Ziele: die verletzte Integrität seiner Klienten wiederherzustellen und dazu das nutzen, was lt. Rogers jeder innewohnen hat: „Selbstaktualisierungstendenz“.
 
 
  1. Weg dahin: Aufbau einer vertrauensvollen und damit tragfähigen Beziehung zum Therapeuten/Klienten. Stadium der Selbstexploration, darauffolgend das Stadium der Veränderung.
 
 
Zu 1.:

Integrität/ allgemeine Verbundenheit und Untrennbarkeit des Individuums mit seiner Umgebung und seinem Selbst:

 

Ein zutiefst theologischer Ansatz, der erklärt, das es keine Trennung zwischen individuellen Mikro- und Makrokosmos gibt, sondern alles seine Daseinsberechtigung, Bedeutung, Sinn und Raum hat. Credo ist, den Menschen in sich und „seiner“ Welt als heimisch zu sehen und, falls er dies nicht mehr zu erkennen vermag, ihm behilflich zu sein, diesen Platz wiederzufinden.

 

Zu 2:

„Selbstaktualisierungstendenz“: Eine Auffassung von Persönlichkeitsentwicklung mit Paralellen zu Jean Piaget: Jeder Mensch nimmt Einflüsse auf, integriert diese in sein Dasein/ in sein Leben und entwickelt Neues aus der vorangegangenen Integration des Hinzugekommenen.

 

Die Differenzierungen bestehen laut Rogers darin, das der Mensch zum freien Willen kommt, wenn man ihn läßt und wenn er sich selber läßt.

 

Echtheit, Kongruenz und Empathie muß er sich auch selbst geben können, um so souverän zu sein, freie Entscheidungen treffen zu können. Genau an diesem Punkt finden wir eine weitere Differenzierung zu Inhalten der Psychoanalyse, die zumeist von der Determiniertheit des Menschen ausgeht, der immer wieder Trieben und Fremdbestimmungen unterliegt, anstatt (lt. Rogers) selber die Fähigkeit erweitert, selbst handeln zu können und so selbstaktualisierend tätig ist.

 

Zu 3.:

(auch als Grundlinie von Rogers´ Handeln):

 

Jeder Mensch hat das Recht, als komplettes, vollständiges Wesen wahrgenommen und behandelt zu werden. Ausdruck dieses anti- defizitären Modells ist das Wort „Klient“ anstelle von „Patient“ („Klient“ entspricht „Kunde“ und „Patient“ entspricht „der, der geduldig sein muß (?)- auch wiederum Ausdruck dessen, wie Rogers sich selbst und andere Menschen sieht: nämlich gleichauf.

 

 
Wichtige Komponenten in der Interaktion mit Gruppe und Klient

Mittel bzw. Inhalt seiner Umgangsweise mit Klient und sich selbst sind Echtheit, Empathie, Kongruenz.

 

Mit Empathie ist gemeint:

 

Hinwendung und nicht- wertende, nicht- verurteilende, nicht- richtunggebende Einfühlung.

 

Im Gegensatz zu anderen psychologischen Richtungen steht für Rogers nicht das Verhalten, sondern das vom Klienten verbalisierte Erleben im Vordergrund. 

 

Der Therapeut darf keine Wertungen vornehmen- der Klient soll verbalisieren und ohne Einfluß fremder Wertung sich selbst und sein Potential entdecken (Selbstbestimmung statt Determinismus).

 

„Empathie“ bedeutet „Einfühlen/ Mitfühlen“, aber nicht „Sympathie“, die an sich schon eine Wertung wäre und dem Klienten in seiner Willensbildung beeinträchtigen würde oder könnte.

 

Im empathischen Gesprächsprozeß holt der Therapeut Rückmeldungen über das Gehörte ein, bestätigt gestisch, mimisch, verbal; fragt nach und markiert so Stationen des Gehörten., die den Klienten zu einem Selbstaktualisierungsprozeß veranlassen.
 

Die Bestätigung erfolgt auch als Teil des Feldes „Kongruenz“: die Übereinstimmung mit sich und seiner Umgebung, seinen Mitmenschen.

Der Therapeut nimmt den Klienten so an, wie er ist und wie er sich gibt. Der Gedanke des „Fehlerhaften“ wird als überflüssig und hemmend betrachtet.

 

Im Therapiegespräch wird der Klient „ gespiegelt“; zum Kongruenzkonzept gehört ebenso, das Denken und Handeln an Übereinstimmung gewinnen, z.B. auch das Vermeiden von Double-Bind-Botschaften oder Phrasen, die Gespräche zum Erliegen bringen (Killerphrasen), die den Klienten möglicherweise schon einmal aus dem Konzept gebracht haben, das Nicht- Erteilen von Ratschlägen oder Richtungsangaben; das Sprechen in „ich“- Botschaften, das aktive Zuhören, das Entdecken der Selbstbestimmung des Klienten, die Kongruenz und innerer Frieden erst möglich machen.

 

Ursache von psychischen Erkrankungen sind lt. Rogers ein verletztes Kongruenzgefüge, in dem z.B. andere Personen Macht über die eigene, persönliche Handlungsfreiheit „gewinnen“.

 

„Echtheit/ Authentizität“:

 

Der Therapeut vertritt das, was er tut und sagt und spielt es nicht vor.

 

Ursprung und Bewahren des Selbst/ der Autonomie und der persönlichen Integrität von Therapeut und Klient sind unveräußerlich.

 

Wären sie es nicht, hätte der Klient nicht die Chance der Selbstexploration/ Selbst- Entdeckung und der Freiheit der Selbstbestimmung, die den Klienten seine Integrität selbst wiederherstellen läßt und ihn Möglichkeiten entwickeln läßt, sich künftig zu schützen.

 

Prozeß der Therapien nach Rogers ist- schematisch ausgedrückt- Vertrauen zwischen Klient und Therapeut zu bilden, in der Phase hat der Klient die Chance, sich vorbehaltlos anzuvertrauen und kongruent, empathisch, authentisch zu sein oder zu werden und der Therapeut muß das spiegeln können.

 

Ist das Verhältnis tragfähig, kann der Klient von eigenen Verbalisierungen profitieren, indem er tätig an sich selbst Anteil nimmt. Dazu dient das Therapiegespräch, aber vor allem auch, das der Klient in der Gruppe die Möglichkeit der Selbsterfahrung/Selbstentdeckung in einem kongruenten und geschützen Feld machen kann.

 

In der letzten Phase nimmt der Klient bereits eigentätige Veränderungen vor aufgrund der lt. Rogers im Menschen angelegten Aktualisierungstendenz stellt er Synchronität und Freiwilligkeit in seinem Leben wieder her.

 

© Thomas Demuth

Nach oben