Seit November 2010 ist meine Facharbeit- mein erstes Buch.

Es ist ein richtiger Wälzer mit 192 DIN- A4 Seiten geworden.

Meine lieben Dozenten haben es mit "sehr gut" benotet, obwohl sie hofften, nicht so viel von

mir lesen zu müssen. Offensichtlich taugt es was.

Ein oder zwei Kapitel würde ich wieder umschreiben oder ergänzen wollen, aber irgendwann

muß ja mal Schluß sein. Obwohl ich glaube, das es noch Folgen haben sollte.


 

Mein Facharbeits- Thema lautet:

„Ressourcen und Herausforderungen in der Jugendhilfe - Feld- und systemorientierter Lösungsansatz beim Betreuen männlicher Teenager am grundlegenden Beispiel eines als „dissozial“ eingeschätzen Bewohners“

 

Weiter unten finden Sie Ausschnitte daraus:

 

  • Inhaltsverzeichnis
  • Exkurs "Macht oder Liebe"
  • Grundsätze für die Vermittlung von sozialen Fähigkeiten
  • Mein Menschenbild und meine Motive

Das Inhaltsverzeichnis (bitte verzeihen Sie die Formatierungsfehler- es ist wirklich nicht einfach, das alles hier hineinzubekommen):

 

Einleitung und Themenbegründung1  

 

 

1.0.Definition von Dissozialität 5  

  • Begriffsabgrenzung10

  

2.0. Allgemeine psychodynamische Aspekte 12

 

 

3.0. Kontaktaufbau und biographische Daten des Klienten 14

  • 3.1. Erstkontakt mit Amir20
  • 3.2. Tabellarisch gefaßte biographische durch Selbstaussagen bestätigte Fakten 27
  • 3.3. Gruppendynamik 30

 

4.0. Exkurs: Macht oder Liebe? Eine philosophische Modellbildung. 31 

  • 4.1. Der Befehl32
  • 4.2. Die Begriffe "Macht" und "Liebe" als kybernetische Modelle41
  • 4.3. Ableitungen daraus 45

 

5.0. Entwicklungspsychologische Betrachtungen 47
  • 5.1. Psychomotorische und neuronale Aspekte der sensorischen und habituellen Integration und die neurologische Evolution 47
  • 5.2. Warum Bindungsstile erkannt werden müssen 55
  • 5.3. Multikausalität, biopsychosoziales Modell, Kumulation der Risiken: Das Cracow Risk Assessment Instrument62
  • 5.4. Risikofaktorenkatalog aus dem Cracow- Instrument und Abgleich mit den Gemeinsamkeiten aus meinem Einelfall68

 

6. Problematisierung: "dissoziales“ Verhalten" in den Wohngruppen 79


 

7. Fragmentierte Wahrnehmung und Wahrnehmungsstile 84
 
8.0. Grundlegende praktische Handlungsaspekte eigener gewaltloser Kommunikation 102
  • 8.1. Negativ-Beispiel für eine Individualumgangsweise 102
  • 8.2. Morphologische Aspekte gewaltloser Kommunikation106 
  • 8.3. Körpersprache109
  • 8.4. Augenkontakt111
  • 8.5. Annäherung aus der Distanz112
  • 8.6. Bewegungstempo113
  • 8.7. Körperdistanz113
  • 8.8. Handkontakt114
 
9.0. Individualumgangsweisen und Grunderfahrungen 117
  • 9.1. Schriftsprache, Lautsprache und Genogrammarbeit117
  • 9.2. Detaillierte Umgangsweisen mit dem Klienten: Erste Hilfe leisten- die Umgangsweise miteinander verhandeln. 118
  • 9.3. Grunderfahrungen des Klienten121
  • Grunderfahrung: Der Betreuer ist nicht erpreßbar und nicht instrumentalisierbar 124
  • Grunderfahrung: Amir stellt fest, dass ein Hund Gefühle hat 132
  • Voraussetzungen zum Einsatz des Begleithundes134
  • Grunderfahrung: Auch Amir hat Gefühle 138
  • Grunderfahrung: "Mit dir kann man wenigstens in Ruhe sprechen." 142

 

10. Amirs Ressourcen 144

 

  • Ressourcenermittlung aus dem Alltagserleben mit Amir144
  • Von Amir formulierter Hilfebedarf 146
  • Von mir formulierter Hilfebedarf für Amir147

 

11.0. Betriebliche Ressourcen und strukturelle Hilfen 148
11.1.Strukturelle Hilfen: Betriebliches Handeln und Elternarbeit als entwicklungsförderliche Bedingung148  
  • Personelle und organisatorische Rahmenbedingungen und Ressourcen149

11.2. Strukturelle Hilfen: Elternarbeit152

  • Hauptprobleme in der Elternarbeit153
  • Lösungsrichtungen155
     

11.3. Kommunikative Schnittstellen, Handlungsweisen, pädagogische Haltung156  

  • Inhalte der individuellen Bewohner- Eltern- Träger-Vereinbarung158
  • 11.4. Beispiele zur eigenen Handlungsweise159
  • Handeln der Arbeitsgruppe und Leitung161

11.5. Strukturelle Hilfe: Gruppenzusammensetzung und Risiken163

 

12.0. Menschenbild und Motive 164

  • Grundsätze für die Vermittlung von sozialen Fähigkeiten 164
  • Mein Menschenbild und meine Motive 172

 

 

13. Kritik und Ausblick 181
  • Aussichten in der Gruppenarbeit 181
  • Gesellschaftlicher Ausblick 182
  • Ausblick für Amir 184  
 
14. Literarische und internetbasierte Quellen 189

 

4.0. Macht oder Liebe?
Eine philosophische Modellbildung.

 

Das Hauptproblem bzw. das Hauptsymptom der "dissozialen Persönlichkeitsstörung" scheint mir -nach meinen eigenen zahlreichen Erfahrungen mit dem Personenkreis- eine Verknüpfung des Bestrebens und der Erwartung, angenommen und geliebt zu werden und des Bestrebens, offensichtlich ständig solchen Einfluß über den anderen haben zu müssen, das ich ihn hier als "manipulativ" charakterisieren möchte. Beides geht ständig mehr oder minder miteinander einher.

Für mich immer deutlich spürbar war, das die Schwierigkeit auch für einen Betreuer darin besteht , wiederholt und erneut die Abgrenzungsweisen zu finden, so das niemand in seiner Integrität angegriffen ist.

Deshalb möchte das Problem "Macht" versus "Liebe" skizzieren.

Macht ist, schlicht gesagt, die Fähigkeit, Resultate herbeizuführen, die man

haben möchte, und dabei, falls notwendig, das Verhalten anderer

entsprechend zu ändern“

(Joseph S. Nye Jr.; Vizeverteidigungsminister unter US-Präsident Clinton; aus:Peter Bürger: „Kino der Angst- Terror, Krieg und Staatskunst aus Hollywood. Stuttgart: Schmetterling Verlag 2005; 2. durchgesehene & erweiterte Auflage 2007; Seite 88)

 (...)

 

4.2. Die Begriffe "Macht" und "Liebe" als kybernetische Modelle

Die Gemeinsamkeit von Liebe und Macht besteht darin, das beides einer Gruppe bedarf. Hier eine Darstellung des permanenten Konfliktes, in dem Menschen leben:

Die Begriffe „Liebe“ und „Macht“ stelle ich als kybernetische Modelle vor- denn nicht nur die „dissozialen“ Persönlichkeit benötigt eine Entkopplung und Differenzierung, sondern auch man selbst. Wenn Macht (institutionell) eingesetzt wird, muss es legitim, transparent und verständlich hergehen, sonst wird daraus Unterdrückung.

(...)

 

Only a crowd can make you feel so alone“

(Keith Richards: „life“;Heyne-Verlag, 2010. s 532)

 

Die Gemeinsamkeit von Liebe und Macht besteht darin, dass beides einer Gruppe bedarf. Hier eine Darstellung des permanenten Konfliktes, in dem Menschen leben:

 

Macht als kybernetisches Modell:

 

  • Ursprünglicher Sinn:                   Erhalt und Sicherung persönlicher Autonomie.

     

  • Ausbreitung:                                 gerichtet, 1. durch zusprechen von Autorität, daraufhin

                                                                 2. von "oben" nach "unten" durch Befehl und Gehorsam.

 

  • Formalisierung:                            Hierarchie. Vorschreibung.

     

  • Vervielfachung der Wünsche:   durch Ausweiten der Befehlsketten und damit Beteiligung von mehr

                                                               Personen stellen mehr Personen in ihrer Personalität und

                                                               damit ihre Bedürfnisse zurück.

 

  • Tendenz:                                      Funktional. Expansion der Beteiligung und Verlängerung der Ketten,

                                                                Depersonalisationsgefahr. Konzentration ,

                                                                Zentrierung der Macht dadurch auf wenige Personen.

 

  • Funktion:                                     Arbeitsteilung. Expansiv; durch Befehl: zusammengesetzt aus "Stachel"

                                                               (beim Machtausübenden) und Antrieb (beim Beherrschten).

                                                               Vorbilder: mit elitärer Konnotation.

 

  • Bedingung:                                  "Futterkonditionierung"/ Profitanteil für Befehlsempfänger, Konservierung.

     
  • Sicherung:                                    Teilung (--> Liebe) oder Gewalt -->Trennung.

     

  • Bedrohung:                                  Tyrannei, Gewaltherrschaft, Krieg.

     

  • Potential:                                      Konzentration begrenzen. Weitgehender Autonomieerhalt und Sicherung

                                                                von existenziellen Freiräumen für viele durch Arbeitsteilung.

                                                               Wird weniger beim Teilen.

 

  • Dimension:                                  Division, Konzentration, Abhängigkeit

 

 

Liebe als kybernetisches Modell:

 
  • Sinn:                                               Lebenserhalt (vergl. René Spitz)

     

  • Ausbreitung:                                  ungerichtet, beliebig und mehrdimensional.

     

  • Formalisierung:                             Tätige Erklärung.

                                                                   Persönliche Autonomien dürfen nicht angetastet werden.

                                                                   Bedarf keiner Vorschreibung.

 

  • Vereinfachung der Wünsche:      durch Zuwendung und Annahme Rezeption der (eigenen) Bedürfnisse,

                                                             persönliche Bedürfnisse müssen nicht zurückgestellt werden.

     

  • Tendenz:                                        Teilbar mit jedem Menschen/u.U. mit jedem Wesen. Hat die Eigenschaft,

                                                                  sich auszubreiten.

                                                                  Kann alle Machtstrukturen durchdringen.

 

  • Funktion:                                        Teilhabe.  Expansiv durchGrundbedürfnis und Grundmotiv.

                                                                   lebenserhaltend.Vorbildgebend, allgemein vorbildermöglichend.

 

  • Bedingung:                                    freiwillig teilen wollen, Öffnung.

     
  • Sicherung:                                     Erfordert keine gewaltsamen Mittel, sondern die Gewaltlosigkeit und

                                                                 Enkulturation.

                                                                 Kann durch immanente Teilung deshalb enkulturiert (verstärkt )und 

                                                                  praktisch weitergegeben werden.

 

  • Bedrohung:                                   durch Gewaltherrschaft, Tyrannei, Aufgeben der Annahme.

                                                            Wird Liebe nicht gezeigt, wird sie nicht realisiert- Stagnation,

                                                                  Rückschritt -->Trennung.

 

  • Potential:                                        Durchdringen von formalen Grenzen. Kann durch einzelne wieder

                                                                  angestossen und erweckt werden.

                                                                  Machtbegrenzung. Kann durch Macht (religiöse/philosophische

                                                                  Manifestation/ Überlieferung z.B.) enkulturiert werden.

                                                                 Wird mehr beim Teilen.

 

  • Dimension:                                    Multiplikation, unbeschränkte Teilbarkeit, Unabhängigkeit.

     

     

    (...)

 

 

12. Eigenes Menschenbild und Motive
Grundsätze für die Vermittlung von sozialen Fähigkeiten:
 
  •  Der Betreuer sollte sich in jedem Fall darüber Gedanken machen, was den Bewohner bzw. einen anderen Menschen zu einer liebenswerten/liebenswürdigen Person macht.

  •  Soziale Fähigkeiten werden als Arbeitsvoraussetzung, emotionaler Selbstschutz, psychohygienischer Schutz des Prozesses, zur eigenen Resilienzbildung und der der Beteiligten und zur Modellbildung sowie zum latenten und expliziten Lernen benötigt.

  • Drogen sind aller Art sind tabu- auch vor dem Hintergrund der fatalen Vorbildwirkung einer ganz selbstverständlich und alltäglich vorhandenen Alkohol- Massenkultur, die in ihrer institutionellen und gesellschaftlichen Festigung, Instrumentalisierung und Ausübung mit ihren strategischen industriellen Ausbreitungsmitteln kaum Grenzen kennt.

  •  Der Betreuer sollte mit sich selbst im Reinen sein: seine eigenen biographischen und persönlichen Entwicklungsaufgaben realisieren und lösen können sowie formelle und informelle Hilfe, Unterstützung, Verstärkung holen und annehmen können.

 

dazu auch:

 

  •  Ein gründlich geklärtes Distanz- Nähe- Verhältnis mitbringen.

  •  Selbst genau verstehen, welche Grenzen bei ihm selbst nicht überschritten werden dürfen.

     Genau wissen, wann man sich aus dem Prozess zurückziehen muss, um sich und seine Arbeitsfähigkeit schützen zu können

 

  • Seine eigenen Reviergrenzen einer schutzbefohlenen Person möglichst einfach und nachvollziehbar erklären können

  •  Mitteilen können, bis wohin man bereit ist, mit dem Bewohner mitzugehen und wann die Loyalitätsgrenze bei einem selbst erreicht ist bzw. ab wann die Gefahr besteht, das der gemeinsame Weg zu Ende ist.

  •  In der Lage sein, sein Terrain und das seiner Bezugsperson zu erkennen und nicht miteinander zu durchsetzen und diese Umstände selbst verbalisieren zu können und andere dazu befähigen, das auch zu tun, um sich selbst schützen zu können.

  •  Wachsam sein hinsichtlich Grenzüberschreitungen und hinsichtlich der Gefahr des Durchmischens eigenen und fremden Terrains, weil z.B. eine Interessengleichheit eine Person rasch zum Betreten und Okkuppieren des fremden Terrains veranlassen könnte. Daher die vorgenannten Dinge als Frühwarnsysteme und Verständigungswerkzeuge für beide Beteiligten auffassen.

  •  

  • Der Betreuer muss möglichst klare, reflektierte Rückmeldungen geben können und sich ggfs. Zeit dafür ausbitten.

  • Die Rückmeldungen dürfen allgemein nicht persönlich wertend ausfallen, müssen aber genau darstellen, warum eine Handlung des Betreuten akzeptabel oder inakzeptabel war.

  • Die gegenseitigen Rückmeldungen sollten ggfs. Alternativen enthalten bzw. die

Diskussion/ die Frage nach Alternativen hinsichtlich sozialer Fähigkeiten und

Handlungsweisen anregen

  • Sie sollten die Möglichkeit der Verhaltensmodifikation eröffnen

  • In darauffolgenden modifizierten Situationen müssen Rückmeldungen des Betreuten hinsichtlich Alternativverhalten und vergleichen der Ausgangs- und Alternativsituation angefordert werden.

  • Der Umgang mit den Betreuten darf niemalsStrafcharakter haben oder einer Launenhaftigkeit entspringen oder mit einem Aufrechnen oder Vergeltung einhergehen.

All das führt zu starkem Vertrauensverlust.

 

  • Der Klient muss formal und menschlich völlig korrekt behandelt werden. Sollte der Betreuer das Gefühl haben, sich selbst fehlerhaft verhalten zu haben, sollte er das Format aufbringen, das mit dem Klienten zu thematisieren und sich nicht vor den eigenen, völlig menschlichen Unzulänglichkeiten fürchten.

 

  • Es ist in Ordnung, wenn der Betreuer Enttäuschung, Verärgerung, Traurigkeit, Schmerz usw. zeigt, aber nicht in unreflektierter Weise. Der Bewohner muss den Grund für all dieses erfahren dürfen; auch, als eine Möglichkeit, selbst Empathie üben zu dürfen.

  • Der Betreuer sollte genauso in der Lage sein, nicht zu knapp zu loben-- die ehrliche Anerkennung dessen wird vom Betreuten oft für unglaublich gehalten, weil die Erfahrung dessen neu ist wegen den negativer Selbstzuschreibungen

 

  • Damit der Betreuer seine Arbeit in einem einigermassen ausgeglichenen Zustand machen kann, sollte er genau den Punkt seines Rückzugs und sein Belastungslimit kennen, Reserven mobilisieren können und Rückzüge (und wenn er nur zum Schlafen nach Hause geht) dem Betreuten erklären können undsein Wiederkommen ankündigen, so, wie man möglichst alle Vorgehensweisen ankündigen sollte, damit der Betreute nicht das Gefühl hat, fallengelassen zu werden und er Sinnhaftigkeit, Handhabbarkeit und Verstehbarkeit für sich selbst ausbilden kann.

 

  • Der Rückzug (und auch der ganz normale Dienstschluss) darf vom Betreuten also nicht als Strafe aufgefasst werden, sondern als Folge eines Tages, der Ruhebedürftigkeit nach sich zieht und die erklärte Möglichkeit der Erholung, des Nachdenkens und der Wiederkehr für beide Beteiligten mit sich bringt.

 
  • Mentale Überlegenheit und Ruhe zeigen, gerade dann, wenn es laut ist und wenn es einem schwer fällt, ruhig zu bleiben. Kein Flucht- oder Angriffverhalten zeigen.

  • Auf Einschüchterungsversuche mit Humor bzw. mit einem Paradoxum reagieren- etwas völlig unerwartetes tun. Dem Klienten die Angst nehmen.

 

  • Bleibt das Mittel der Angst, die ein Klient im Konfliktfall häufig verbreitet, wirkungslos, hat man gewöhnlich Zugang. Die verbreitete Angst entspricht der externalisierten Angst, die die Person in sich trägt. Wird die Angst nicht von umgebenden Personen gespiegelt, wird sie weniger und nicht mehr.

 

  • Sich Zeit zum Überlegen und Nachdenken ausbitten und zugestehen. Sich nicht nötigen lassen, selbst nicht nötigen, sich selbst nicht nötigen.

  •  

  • Überaus fordernd und disruptiv erscheinende Verhaltensweisen können Betreuer massiv unter Druck setzen und in die Enge treiben, wenn man sich nicht bei Tagesbeginn täglich neu und prompt Übersicht hinsichtlich Stimmung, Probleme, Hindernisse, Möglichkeiten verschafft und dies auch zusammen mit dem Betreuten auch ritualisieren kann. Spontane Entscheidungen nur nach Selbstüberprüfung treffen, ob die Entscheidung im Kontext oder Einzelereignis hinsichtlich der Richtigkeit später noch standhält- Voraussetzungen wenigstens kurz rekognoszieren, gemeinsame Überlegungen anstellen, Gesprächsanlässe nutzen, im Gespräch bleiben.

 

  • Zum gemeinsamen Nachdenken einladen, aber Prioritäten setzen und dies verbalisieren.

 

  • Sehr starkes Annahmebedürfnis ist oft vereint mit feindselig wirkenden Handlungen- Idealisierung und Verachtung liegen nah beieinander. Letzteres beides sollte man nicht persönlich nehmen, sondern es könnte z.B. als Ausdruck von Isolation und Sehnsucht aufgefasst und erfragt werden.

 

  • In Betracht ziehen, das die Bewohner sehr viel Energie aufwenden müssen, um sich z.B. Distanz von einer Woche zuverlässig zu zeigen und diese Bemühungen honorieren. Der Betreuer muss sich auf starke Rückschläge und deshalb auch auf persönliche Enttäuschungen gefasst machen, denn „Die Ängste werden stärker, je intensiver die Beziehung zu werden beginnt.“ (H. Christ in: http://www.systemagazin.de/bibliothek/texte/christ_dissoziation.pdf; Seite 6).

 

  • Aus dieser Frustration darf keinesfalls Zynismus werden, sondern ein Erneuern der eigenen Haltung. Dies alles gelingt erst nur in vermeintlich sehr kleinen Schritten über Monate und Jahre hinweg. Der Gedanke, das eine auch nur gering erscheinende Modifikation eines Verhaltens eine weitreichende Kette von Folgen haben kann und in völlig andere Richtungen führen kann, darf nicht in Vergessenheit geraten.

 

  • Nach kleinen Proben der Zuverlässigkeit muss man also immer wieder mit Kämpfen und Widerständen rechnen, die kein Hindernis für die eigene Stetigkeit sein dürfen. Es muss von Betreuerseite ein langfristiges Interesse an dem Prozess bestehen und dies auch ausdrücklich gesagt werden, um dem Klienten überhaupt eine Heimat bieten zu können. Nichts ist verheerender für den Bewohner, als fallengelassen oder ausgegliedert zu werden. Der Betreuer selbst darf niemals kämpfen, um nicht dem Täter-Opfer- Verfolger- Schema anheim zu fallen, sondern muss souverän bleiben, um Modell für Verhaltensalternativen sein zu können.

 

  • Klienten fordern einem „Credits“ ab, d.h. einen hohen Vertrauensvorschuss, fordern Vertrauen aus zunächst völlig legitimen Gründen- nämlich des Bedarfs danach- ein. Der Konflikt „Gleichbehandlung“ versus „angemessene Behandlung“zu anderen Gruppenmitgliedern muss hier verbalisiert werden und wird ansonsten ganz sicher vom Klienten angefragt. Aus Gründen der Kohärenzbildung für den Klienten müssen die Gründe für (nicht generalisierte) Umgangsweisen erklärt werden und man kann auf diesem Wege vom Klienten vielerlei Denkanstöße und Anregungen für den gesamten Prozess bekommen.

 

  • Die „Credits“ können oft nicht in dem Masse gegeben werden, die der Bewohner

  • erwartet, weil in der Regel Enttäuschungen eintreten, die erneut Konfliktfelder zwischen Betreuer und Bewohner aufmachen, woraufhin der Bewohner zunächst enttäuscht wird, zumal seine Frustationsschwelle nicht sonderlich hoch ist.

  • Die Erwartungen beider Seiten müssen- erklärbar- gemäßigt werden und für den Bewohner in für ihn überschaubaren Schritten erfüllbar sein, damit seine eigenen Schritte auch seiner eigenen Kritik standhalten können.

  • Weniger ist hier oft mehr und führt zu Wachstum- Überforderung des Klienten kann eine Dynamik erzeugen, die sehr rasch die Überforderung des Betreuers bedeuten kann.

 

  • Thema „Geld“ und die Herausgabe: hier muss man sich oft ein dickes Fell zulegen. Die nachfragenden/fordernden Personen machen vieles erst von Äußerlichkeiten abhängig, weil die Eigendefinition ihrer Persönlichkeit oft sehr stark über Äußerlichkeiten wie Stil, Aussehen, Sprache als Phase oder Teil eines Selbstkonzepts und Selbstberuhigungskonzeptes funktionieren. Ein Bewohner wird nicht von heute auf morgen seinen Lebensstil verändern können oder wollen. Ein Vorschuss vom Taschengeld in überschaubarer Distanz ist in Ordnung. Aber:

  • Man muss auch damit rechnen, dass z.B. Geld fehlt oder unterschlagen wird und das man sich erst einmal Schwierigkeiten organisiert und das sollte man sogar bewusst tun- also Krisen zulassen und dann den Bewohner in die Verantwortung nehmen, um ihn den finanziellen Ausgleich wiederherstellen zu lassen (auch mit Hilfe eines Tilgungsplanes). Man bekommt ein gemeinsames Thema, das bei richtiger Umgangsweise sofort Eckstein einer personalen Bindung werden kann. Diese ersten Probleme könnendurch ihre nunmehrige Sichtbarkeithelfen, in einen flüssigen Prozess erster und weitergehender Hilfen hineinzukommen, wennman, so wie sonst, eine Angelegenheit nach der anderen ruhig und korrekt abhandelt und sich hierbei nicht unterbricht oder unterbrechen lässt.

 

  • Immer wieder und prompt muss in ruhiger Weise aufgeklärt, unterstützt, auch schon einmal gegengewirkt und zum Hauptgegenstand des Gesprächs (im Eigeninteresse des Bewohners)hingelenkt werden.

 

  • Die Einzelinhalte daraus müssen über viele Tage hinweg verfolgt, erinnert, eruiert, analysiert, der Fortschritt überprüft, zurückgemeldet werden, Rückmeldung eingeholt werden mit Stetigkeit, Dauer und erhöhen der gemeinsamen Gesprächsinhalte und verbalisierten gemeinsamen Denkschritte bzw. kognitiver Inhalte.

  • Zum Grundsatz sollte man sich machen, dass möglichst nicht eine neue Sache derselben Coleur begonnen wird, bevor eine vorhergehende Angelegenheit nicht zu Ende gebracht ist. Wenn es sich z.B. um die Rückgabe eines Fahrscheines handelt, der über eine bereits gesetzte Frist hin (in der für den Klienten bereits eine Alternative, ein „Plan B“ formuliert oder besser: gemeinsam erarbeitet werden sollte) nicht kommt, sollte eine zeitlich und inhaltlich verständliche Abrechnungsmodalität gefunden werden: Einbehalt vom nächsten Taschengeld, bei längerfristigen Zahlungen wie nach vorangegangener Sachbeschädigung und darauffolgender Schadenersatzleistung z.B. ein Entschuldungsplan , der dem Klienten nicht das Letzte nimmt, sondern Aussicht auf seriöse Beseitigen eines Problems gibt.

  • Es geht immer wieder darum, Elementarerfahrungenzu vermitteln, diese immer wieder zu reaktivieren, damit zu verstärken und ihr zuverlässiges und gelungenes Funktionieren immer wieder neu zu loben und zu thematisieren.

 

  • Das Allerwichtigste ist, den Bewohner davon zu überzeugen, dass seine Compliance, seine Art therapeutischer Mitwirkung- für ihn dauerhaft von Vorteil sein wird und das er sich allmählich durch die Synchronität seinen eigenen Erfolg und unserer Rückmeldung sich selbst davon überzeugen kann.

 

Mein Menschenbild und meine Motive

 

"Man kann ein Problem nicht mit der Denkweise lösen, die es erschaffen hat."

Albert Einstein

 

"Wer einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel."

Paul Watzlawick

 

"You don´t have to judge. You´re responsible for every word you say."

The Scary Guy

 

Natürlich müssen wir auch in Klischees oder Reduktionen denken können, um einen Gegenstand greifbar zu machen. Aber es darf dabei nicht bleiben.

Ich glaube, dass Phantasie die einzige unendliche Ressource ist, über die ich verfügen kann.

Wer seine Phantasie nicht aktivieren kann oder will, hat seine Entwicklung gestoppt oder ist daran nicht mehr interessiert.

 

Es gibt für mich keinen Grund, die Ressource „Phantasie“ (also aktive kognitive Tätigkeit: ergänzen und erweitern von Fehlenden und/oder modifizieren von bereits getroffenen Erkenntnisgrundlagen und generieren neuer Kognitionen und Handlungen) nicht zu aktivieren und zu benutzen, denn sie ist Motiv, Grund und Auslöser allen Handelns und aller Erkenntnisse.

 

Dazu muss man sich als offener und integerer Mensch zeigen können, damit andere ihr Entwicklungspotential benutzen können, denn das geht nur, wenn man seine Mitmenschen nicht fürchten muss und sie einem nicht gleichgültig sind.

 

Ein Pädagoge hat eine Kulturleistung zu erbringen, die der Pazifierung der Gesellschaft und der Emanzipierung von Personen dient. Der Beruf des Pädagogen ist Friedensdienst und Kulturarbeit, die der Emanzipation dient.

Sie macht erforderlich, für andere Menschen friedliche Alternativen bereitzuhalten, weiterzugeben oder mit ihnen zu erfinden und zu entdecken, damit man nicht in Angst und Schrecken existiert, denn Angst macht unfrei und verhindert friedliche Entwicklungen, die nur friedlich bleiben, wenn ein Mensch Kongruenz und Verbundenheit zu seiner Umgebung erfahren darf und verspürt.

 

Henry Thoreaux´ Aphorismus, den ich gar nicht so sehr auf Kleidung, sondern die eigene innere Verfassung beziehe, finden so ihren Widerhall:

Misstraue jedem Vorhaben, das einen neuen Anzug erfordert.“

 
Den „Anzug“, den ich hier meine und die Inhalte, die ihn ausfüllen, sollte man sich freiwillig aussuchen können und man darf sich dabei nicht verstellen, wenn man frei sein will, sonst geht Freiheit verloren. So kann man sich in die Lage versetzen, anderen Menschen durch Vorleben zu zeigen, sich souverän für seine eigenen Interessen und Lebenserfordernisse einzusetzen und zeigen, wie wertvoll und förderlich die Freiheit ist und wie lebensfeindlich und deprimierend die zwanghafte- auch selbstgewählte- Abhängigkeit sein kann:

 

Am 25. 9. 2011 das Vergnügen und die Ehre, mich mit dem Motivationstrainer The Scary Guy und seiner Frau Cathryn Woodhall in Köln unterhalten zu können. Beide beschäftigen sich mit peer eduacation. Scary besucht Einrichtungen, Schulen, Gefängnisse, Betriebe, Kasernen auf der ganzen Welt.

Ich stellte zuvor schon fest, dass vieles, was er sagt, dem, was ich sage und mitteile, sich in weiten Teilen deckt und weil ich mir Scarys Fähigkeit, Dinge auf ihre Essenz und ihren Wahrheits- und Informationsgehalt herunterzubrechen, viel öfter in der Pädagogik wünsche- denn Pädagogik sollte immer wieder geübte Menschlichkeit durch die Disziplin praktizierter Liebe und Annahme sein.

Scarys wichtigste Botschaft lautet: „You can´t eliminate hate with hate“ und sein Ziel ist der Weltfrieden, der in Gedanken und Tat bei jedem von uns täglich neu befördert werden kann, indem man Verantwortung für seine Reden und Handlungen übernimmt.

Scary entwickelte ein sehr effektives Vier- Schritte- Programm, für das niemand dicke Bücher lesen muss und das Carl Rogers sicherlich sehr gefallen hätte:

 

1. Acceptance

2. Understanding

3. Love

4. Change

Mit „Change“ ist die eigene, kognitive Veränderung gemeint.

Dazu sagt er:

„Everything you say or do is a reflection of yourself.“

„You can ignore the truth or you can follow- it´s your decision.“

"You don´t have to judge. You´re responsible for every word you say."

"Don´t prejudice."

„Don´t bully and call names for any other person on the planet they just don´t have by their own“

 Don´t let somebody use you- if somebody is calling names to you or try to bully you in another way he wants to use you.“

"Don´t let others programm you- run your own programme and create yourself."

„You´re the only person that can control yourself.“

  (Zitatteile aus: Hatwood, Mark David: „7 Days and 7 Nights“,© by VISIONHEART, Inc.Mit freundlicher Genehmigung von Mark David Hatwood.)

 

In seinen "7 days and 7 nights"- Challenges, die Scary in Schulen durchführt, geht es darum, über eine Distanz von einer Woche kein schlechtes Wort über jemand anderen zu verlieren- für viele eine harte aber sehr lehrreiche mentale Übung, in der Menschen intensiv zusammenkommen und lernen, sich zu verstehen anstatt sich zu mobben.

Teil der Aufgabe ist auch die "16 hugs"- Übung: jeder Mensch braucht täglich mindestens 16 Umarmungen, um in einem ausgeglichenen Zustand zu sein und Scary fordert die Teilnehmer auf, sich die sechzehn Umarmungen täglich zu holen (natürlich mit Einverständnis der anderen Umarmten) und das zu kultivieren anstatt Hass zu kultivieren.

 

Genau dazu einige meiner Empfehlungen innerhalb und außerhalb des Dienstes:

  • Sei dein eigener Präsident.
  •  Lass´ dich von niemandem instrumentalieren, mache dich nicht (emotional) erpressbar.

  •  Tue nichts, worin du keinen Sinn siehst und was du nicht vertreten willst.

  • Arbeite keinesfalls für Leute, die anderen nicht helfen wollen.
  •  Will man von dir, dass du tust, was du selber nicht willst, weigere dich.

  • Lass´ deine persönliche Autonomie von niemand angreifen.
  •  Gewaltfreie Kommunikation bedeutet Pazifierung.

  • Sei nicht neidisch oder gierig.
  •  Kümmere dich um Deine Freunde, geh´ unter die Leute, sieh´ sie dir gut an.

  • Gestehe dir ein, dass es oft besser ist, sich von Leuten zu verabschieden, die einem ein schlechtes Gewissen, schlechte Gefühle und damit schlechte Lebensbedingungen machen.
  • Follow your dreams. Mach´, was du willst, aber schade niemand.

  • Wenn du Hilfe brauchst, überlege dir, wer deine Verbündeten sein könnten.
  •  Sei bereit, dein Leben zu verändern, sei nicht starr und rigide in deinen Haltungen.

  • Versuche, jeden Tag etwas zu erleben, was dein Herz berührt.
  •  Bereite dir und anderen jeden Tag eine Freude und stehe mit diesem Vorsatz morgens auf.

 

Einige meiner Arbeitsprinzipien lauten:

  • Das schätzende und akzeptierende Prinzip des Brainstormings als ökologischer Korridor des gemeinsamen Denkens ist ein Alternativen- Generator. Die allgemeine Anwendung des Brainstormprinzips und der damit inbegriffenen Nicht- Verurteilung hilft, eine Menge Angst gar nicht erst entstehen zu lassen und lässt- in der zweiten Arbeitstufe- alle Reflexions-, Experimental- und Handlungsmöglichkeiten offen.

 

  • Widerstände werden oft nicht als Entwicklungspotential und Chance begriffen und genutzt, sondern als Anlass zum Weiterreichen des Problems „Mensch“ gesehen- mit dem Resultat, das Pädagogen allerorten unter schwieriger werdenden Umständen arbeiten müssen, anstatt Teil eines nachhaltigen, länger andauernden und im Endeffekt aber kostengünstigeren Konzeptes zu sein, weil es die vorher fehlenden Grundlagen zu geistiger und körperlicher Gesundheit gelegt hat und die Gefängniszelle überflüssig macht. Entweder man selbst ist Teil einer Lösung oder man ist Teil eines Problems.

 

  • Geduld fängt da an, wo sie aufhört und manchmal muss man geduldig mit sich selbst sein und manchmal bitte ich auch „meine“ Jungs um Geduld mit mir, wenn ich etwas nicht gleich verstehe. Von Personen, die uns erst einmal überfordern (manchmal gehört man selbst dazu), können wir am meisten lernen: sie erproben unser Limit, unsere Toleranz, unsere Güte und auch unsere Aggression- und wir deren- eine Chance. Ich wünsche mir, das unser Weg friedlich ist, gleich, an welchen Ort uns das Leben befördert und ich möchte dazu aktiv beitragen, das die Welt vor und hinter meiner Haustür ein wenig besser wird. Nur wenige Worte oder eine kleine Geste können dem Tag eine tröstende, eine entscheidende und glückliche Wendung geben- nur treffend müssen diese Worte sein.

 

  • Der Bewohner soll die Erfahrung machen, dass er persönlich willkommen ist, gerade auch in Hinsicht auf eine fest zugeordnete (bzw. von ihm mit ausgesuchte, bevorzugte Vertrauensperson) Jede Unachtsamkeit kann ein Drama für einen Bewohner bedeuten und eine existenzielle Krise auslösen und nichts ist wichtiger, als Vertrauen zu ihnen herzustellen und dauerhaft dies auch zu rechtfertigen.

  • Den Heimaufenthalt als Lernchance wahrzunehmen gelingt nur, wenn dies vermittelt wird und im selben Zuge durch Erfolg durch den Bewohner ernstgenommen werden kann. Nur der Erfolg (d.h. die positive und immer wieder erneut positive Folge), der der Eigenkritik des Bewohners auch standhält, stellt in diesem gesamten Kontext einen wirksamen Vertrauensaufbau für den Bewohner dar. Alles andere zählt für den Betreuten hier nicht und kann im Gegenteil negativ verstärkend wirksam für ihn.

 

  • Ein Bewohner darf prinzipiell wegen keiner Verfehlung aus der Gruppe „hinausgeworfen“ werden- denn er wird eine Entfernung aus der Gruppe zu Recht als Affront auffassen und seine Ängstlichkeit, Verzweiflung und vor allem das akute Offensivverhalten wird stärker- von der Festigung offensiv- zerstörerischer Aggression nach bereits immer wieder erfahrener menschlicher Abweisu

    ng gar nicht zu reden. Er muss aber gesichert gehen können, wenn er der nicht nur vorübergehenden Meinung ist, er sei hier nicht richtig und deutlich wird, dass das Setting zutreffend ist und so ein anderes oder verbessertes Setting angefordert wird. Dann wird es höchste Zeit, Perspektiven zu erarbeiten, falls es noch keine gibt und den Abschied zusammen vorzubereiten. Wirkt man gegenteilig auf ihn ein, tritt das oben Beschriebene für diesen anderen Fall der Abweisung ein.

 

  • Dem Bewohner kann vermittelt werden, dass es zum Aufenthalt im Gefängnis durchaus freiwillig ausgesuchte Alternativen gibt und Helfer gibt und es zunächst seine Entscheidung ist, mit dem Betreuer darüber gemeinsam nachzudenken, welche Weiche heutebei einer Kleinigkeit gestellt wird, welche Wege kurz- und mittelfristig gangbar sind, welche Fähigkeiten hier entwickelt werden und vor allem: welchen emotionalen und rationalen Vorteil der Bewohner davon hat. Der Bewohner muss in die Verantwortung genommen werden, um sie auch entwickeln zu können

  • Eine rein formale Zuordnung von Bezugsbetreuern halte ich für oft sinnlos, weil oktryierend. Dieses zweifelhafte Vergnügen hatte der Bewohner meist in der Vor-Heimvergangenheit schon mit dem Misserfolg des Beziehungswechsels. Er muss die Chance haben, sich die Person seines Vertrauens oder seiner Präferenz aus dem Betreuerteam auszusuchen, damit er die Chance hat, sich aus eigener Kraft sich beziehungsmässig an eine Person annähern zu dürfen. Nicht nur im Heimwesen ist es oft reine Glückssache, wem man in die Hände fällt. Deswegen sollte der Klient möglichst volles Mitspracherecht haben und in den Genuss von Vetorechten kommen. Das dies teils utopisch ist, ist mir klar, aber wir müssen die Annäherung suchen.

  • Ein sehr vernachlässigter Punkt ist gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis, von dem man auch im Therapeut- Klient- Verhältnis spricht (und im Erziehungswesen oft nicht eingestanden wird), aber auch die neuronale- anatomische Veränderung, von der Eric Kandel spricht, der nachweist, dass eine Veränderung unseres Verhaltens, unseres Gemütes eindeutig eine anatomische Veränderung formt und diese Veränderung uns formt. Im Klaren sollte man sich darüber sein, das dieses Verhältnis der gegenseitigen Abhängigkeit immer existiert allein schon durch Anwesenheit. Deshalb sollte man es nicht leugnen. Wird damit nicht offen umgegangen, besteht die Gefahr, dass eine Person beginnt, Machtverhältnisse zur emotionalen und materiellen Ausbeutung zu benutzen.

  • Beide Personen, Bewohner und Bezugsbetreuer, müssen zu ihrem gegenseitigen Verhältnis eindeutig „ja“ sagen können und danach gefragt werden.

 

 

  • Die Kollegen müssen nicht unbedingt mit allem einverstanden sein, die Vorgehensweise des Betreuers muss auch nicht dem persönlichen Stil einer anderen Person gleichen- sonst wäre dieser auch nicht mehr authentisch und auf Dauer unhaltbar. Nur: legitim muss er sein. Ein Meßpunkt für die Qualität des Umgangs kann die tendenziell oder nachhaltig verringerte Delinquenz sein oder auch die Form der Umgangsweisen, die der Bewohner an den Tag legt.

 

Aus dem Film " Betrachtungen über den Kindheitsbegriff am Beispiel zivilisierter Indianer" von Gordian Troeller (http://www.youtube.com/watch?v=WMVPzFXTDJE, wurde auch auf "Phoenix" ausgestrahlt) habe ich mir vor gut zehn Jahren folgende Sätze zu eigen gemacht:

 

  • Die Sinnlosigkeit von Strafe z.B. : "Wer nicht unterdrückt wird, braucht nicht rebellieren." Wer Strafe versteht, muss nicht erst bestraft werden, wer sie nicht versteht, bei dem ist sie erst recht sinnlos.

  • Bilden von Vertrauen und Beitrag zum Frieden: "Aggressionsfrei wird derjenige, der seine Bedürfnisse im Rahmen des Möglichen befriedigen kann."

    •  
  • Wahrnehmen der eigenen Arbeitsaufgaben und auch der eigenen pädagogischen und biographischen Entwicklungsaufgaben: "Wenn Erziehung nicht vorgelebt werden kann, wird sie zur Nötigung."

 

 

Wer sich mit dem Buch beschäftigen möchte, dem kann ich das Buch via E-Mail  als *.pdf- Datei zusenden.

Es stecken ca. 600 Stunden Arbeit darin.

Es kostet 30 Euro für diejenigen, die es sich leisten können.

Nach Erhalt der Zahlung würde ich es prompt zusenden wollen.

An Leute, die Grundsicherung beziehen oder ALG II oder

die selbst Heimbewohner sind, würde ich kostenlos geben.

 

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