Resilienz (Gegenteil: Vulneralbilität)
kurz zusammengefaßt nach Corinna Wustmann

Definition:

  • Aus dem Englischen: „Resilience“
  • Fähigkeit, erfolgreich mit belastenden Lebenssituationen umzugehen und nicht darunter zusammenzubrechen.
  • Psychische Widerstandskraft gegen alle möglichen Leben- und Entwicklungsrisiken psychischer/psychosozialer/biologischer Natur.
  • Stressresistenz/ Psychische Elastizität/ Rückstellvermögen

Bedeutung:

  • 1. Vorhandensein einer deutlichen Bedrohung für kindliche Entwicklung
  • 2. Überwinden /Bewältigen des belastenden Umstandes

Längsschnittstudie (aufeinanderfolgende Untersuchungen von 1- 40 Jahren, aus Kauai, ab 1955, von Emmy Werner:

  • Ein Drittel der Untersuchten wuchs unter schweren Bedingungen auf  (Geburtskomplikation, Armut, Bildung, Eltern psychisch krank, andauernde disharmonische Familienverhältnisse).
  • Von dieser Gruppe: zwei Drittel Lern- und Verhaltensstörungen, Delinquenz, frühe Schwangerschaft
  • Dabei nahm ein Drittel dieser Gruppe eine günstigen Entwicklung trotz etwa gleicher Belastung
  • Personen waren vor dem zweiten Lebensjahr vier und mehr Risikofaktoren ausgesetzt.

Woher kommen die Resilienz- Ressourcen?  Wie kommt es zu einer beständigen Kompetenz?

  • trotz hoher Risiken
  • trotz Mehrfachproblematiken
  • trotz langanhaltender Belastung (Scheidung/familiäre Disharmie)
  • relativ rasche Erholung trotz traumatischer Erlebnisse  (Verlusterlebnisse)

Antworten:

  • Resilienz ist nicht angeboren, sondern kann entwickelt/erworben/begünstigt werden.
  • Für Resilienz gibt es keine lebenslange Garantie- ist dynamisch/ variabel: Verletzlichkeit nicht ausgeschlossen z.B. bei Übergängen von
    Entwicklungsphasen (Kindergarten- Grundschule-Pubertät...) erhöht.
  • Erwerb /Erhalt altersangemessener Fähigkeiten durch Ermöglichen und Selbsttätigkeit wird in der Interaktion „Kind- Umwelt“ erworben

 

 

Resilienz wird multifaktoriell und komplex begründet:

Schutzfaktoren/Risikofaktoren:
 

  • Geburtskomplikation, Armut, fehlende Bildung, Eltern psychisch krank, andauernde disharmonische Familienverhältnisse.

Förderung von Resilienz:

  • Ressourcenorientierung/Handlungsweisen in den zusammenhängenden Ebenen „Beziehung, Struktur, Selbstbestimmtheit“:
  • Neu: Fokussierung auf Bewältigungs-; nicht Anpassungsstrategien: Salutogenese nach Antonovsky z.B.
  • Kind (Experte) ist selbst aktiv, selbsttätig, braucht dazu Unterstützung/Assistenz
  • (Pädagogik) Ermöglichen: Wegnahme/Mindern/Mildern von Risiken; erhöhen der Schutzfaktoren (Kompetenzsteigerung- Wissenstransfer)

 

Schutzfaktoren (innerhalb und außerhalb des Kindes):

Selbst:

  • Positives Selbstkonzept- „eigenes Handeln kann etwas bewirken“
  • Positive Selbstprognosen regen zum Handeln an (Aussicht auf Erfolg)
  • Selbsthilfefertigkeiten, auch die, Hilfe zu erbitten
  • Bereitschaft zur Übernahme von (altersmäßig adäquater) Verantwortung- „nicht abwarten, bis das Problem abgenommen wird“- geringes Vermeidungsverhalten (Dingen aus dem Wege gehen)
  • Wissens- und Erfahrungstransfer auf neue Situationen nach vorausgegangenen, bereits erfolgreichen Handlungen.

Von außen:

  • Wertschätzendes Klima. Wahrnahme und Annahme des Kindes.
  • Vorbilder/Modelle: vorgelebtes Verhalten von Lehrern
  • Positive Erfahrungen in Bildungseinrichtungen
  • Offenheit und Zugänglichkeit zu Hilfsangeboten, auch in raschem Tempo
  • Niederschwellig gehaltene Angebote und Unterstützungsmaßnahmen
  • Individuelle Förderung

Beziehung:

  • Autoritativer Erziehungsstil
  • Konstruktive Kommunikation und Konfliktlösung
  • Vorbildverhalten- Vorleben in Wort und Tat (Kongruenz)
  • „effektiver Einsatz“ von Belohnung, Lob, Ermutigung“
  • Elterlicher Kompetenz


Elterliche Konfliktlösungsstrategien
Struktur:

  • Entscheidungen treffen lassen, miteinbeziehen
  • realisierbare, kleine Verantwortlichkeiten an das Kind übertragen
  • Selbsttätigkeit- Selbstwirksamkeit erlauben, Eigenerfolg des Kindes zulassen
  • Einsetzen von Erholung/Pausen als Instrument, mit Anforderungen besser umgehen zu können (vorleben- Modellbildung)
    Selbstbestimmtheit:
  •  Stärken des Selbstwertgefühls des Kindes
  • Problemlösefertigkeiten (unterstützen)

Eigenaktivitäten

  • Soziale Fähigkeiten stärken, Verstärken von sozialen Beziehungen
  • Entspannungsmöglichkeiten und -techniken

 


Resilienz
 

Begrifferklärung

Das Wort geht auf das lateinische "resilio", es bedeutet "abspringen", zurück.
2
Ursprünglich wurde der aus dem Lateinischen stammende Begriff (lat.
resilire) in der Physik für Materialien verwendet, die die Eigenschaft besitzen,
unter Druck oder Zug nicht ihre ursprünglichen Eigenschaften zu verlieren
und den Ausgangszustand wieder annehmen (Elasitizität, Plastizität,
Druckfestigkeit, Zugfestigkeit, Hagelfestigkeit etc.)1; 2

In der Psychologie wird der Begriff in übertragener Form auf die Psyche des
Menschen angewendet, er bezeichnet „die Fähigkeit, nach
Beeinträchtigungen – psychischer oder physischer Art – rasch zu Stärke,
Ausgeglichenheit und positiver Gestimmtheit zurückzufinden und / oder
diese zu bewahren“ 2

Es ist die Fähigkeit, wechselnde, stressreiche, frustrierende, schwierige und
belastende Lebenssituationen anzunehmen und ohne schwere psychische
Schädigungen, darüber hinwegzukommen- dazu noch ohne
Ressourcenverlust und sogar unter Ausbildung neuer Ressourcen und
Fähigkeiten leben zu können. 2

Es beeinhaltet die Fähigkeit, immer wieder lebenserhaltende Motive, Kräfte,
Lösungen und Leistungen zu generieren, um problemlösend zu handeln und
überleben zu können.

Resilienz umfasst einen dynamischen Anpassungs- und Entwicklungsprozess
und ist somit kein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal und kann deshalb
erlernt werden.9

Der Begriff Resilienz wurde in den 50er Jahren von Jack Block
(Psychologieprofessor in Berkeley, * 1924) in die Psychologie eingeführt.
Seine Gebiete: Persönlichkeitstheorien, Personalentwicklung,
Personalbeurteilung, Forschungsmethoden und Wahrnehmung. 2; 3

Einige andere Namen von Gelehrten im Zusammenhang mit meinem
Thema: Elinor Ostrom1, Martha Nußbaum9; 10, Emmy Werner2, Boris
Cyrulnik4; 5, Aaron Antonovsky6; 7.

Das Gegenteil von Resisilenz ist Vunurabilität- Angreifbarkeit,
Verletzlichkeit (personal und gesellschaftlich- die Neigung zu Unglück,
Katastrophen und dergleichen).


Dimensionen und Aspekte der Resilienzforschung
Globale Dimensionen und Aspekte

 

  • Disziplinübergreifend in: Wirtschaft, Psychologie, Bildung, Erziehung, Soziologie, Biologie, Psychologie, Medizin und Technik

 

  • Beispiele: Architektur, Wohnungsbau, Städtebau, Slum- und Ghettobildung,
    Fluchtbewegungen.

Strategie:
Sechs Säulen des Resilienzkonzeptes:


• Optimismus (Glaube daran, daß es eine Lösung gibt-Eigenmotivation)
• Übernahme von Verantwortung (Durchführung und Bereitschaft zur konstruktiven Problemlösung)
• Akzeptanz (Annahme der Gegebenheiten)
• Netzwerkorientierung (Umweltkontext, sozialer Kontext)
• Lösungsorientierung (Zielorientierung, Orientierung für Wesentliches)
• Zukunftsplanung (weitere Lebens- und Existenzperspektive, Anstoßen neuer Prozesse, kybernetische Modelle)


Worst- Case- Aspekte,
die in geopolitischen Resilienzkonzepten vorkommen können:
 

  • „Abdichtungs- und Verstärkungsstrategien“ politischer Systeme, wirtschaftlicher Systeme und Konzerne und von Bildungssystemen zu
    Selbsterhalt/ Expansion
  • Bedrohliche „Lösungen“ durch Militärtechnologie11 und Gentechnik12; Stichworte: Gewaltsames Sichern von Ressourcen, Militär- und Wirtschaftsbündnisse, Informationskrieg, Wetterbeeinflussung11, Möglichkeit der Wetterkriegsführung11; 13
  • Existenzbedrohungen der Menschheit: Nachhaltige ökologische Wirtschaft und Funktion von privatisierten und kollektiven Wirtschaftssystemen
  • Zusammenhängend mit Krieg, Fluchtbewegungen, Klimaerwärmung und biologischen Holocaust (Artensterben und Raubbau), Wasserwirtschaft,Fischerei, Landwirtschaft, Waldvernichtung, Ressourcenvernichtung,Wirtschaften mit nachhaltigen Ressourcen, Naturschutz)
  • Gefahr der Verflachung und zunehmenden Uniformität, Verlust von Vielfältigkeit in allen Lebenssektoren (Sprachen, Biodiversizität,
  • Zusammenbruch von sozialen Systemen und Gemeinwesen), Verlust föderalistischer Organisationen, daraus folgend geringere Fehlertoleranz.

Personale Dimensionen und Aspekte

  • Übertragungen, Überlappungen und Identitäten aus der Nachhaltigkeitsforschung, Resilienzforschung und Philosophie
  • Nachdenken über Alternativen und Umgangsweisen z.B. in Politik, Gesellschaft, Pädagogik, Heilkunde, Technik, Betrieb: gesellschaftliche Organisation, betriebliche Organistation und Personalführung, Arbeitsgruppe und Freundeskreis, eigene Lebensführung:

Wie entsteht Krankheit und wie kann man Gesundheit generieren?

Einige Aspekte:

  • Nachhaltiger Umgang mit sich und anderen Personen und Gütern (Sustainability)
  • Persönliche eigene Widerstandskraft
  • Widerstandskraft kleiner und großer sozialer Systeme (Gruppen)
  • Emotionale Nachhaltigkeit
  • Überlebenswille
  • Fähigkeit zu komplexen Denken
  • Fähigkeit zu nachhaltigem lebenserhaltenden Handeln in komplexen Zusammenhängen

Emotionsregulation:

  • Kognitive Strategien zur Selbstberuhigung
  • Annahme der Tatsachen
  • Differenzieren, was man beeinflussen kann und will und was nicht und das
  • Tun, was entscheidend ist und weiterhilft- Prioritäten setzen. Frustrationstoleranz, Anteilnahme und Aufgeschlossenheit
  • Konstruktive, nicht forcierende oder zudeckende Konfliktbewältigungsstrategien--- Mangel beheben durch Alternativverhalten
  • Einverständnis und Umgang mit anderen Menschen
  • Fähigkeit und Wille, etwas Neues beginnen zu können

 

 

Risikofaktoren (pathogenetische Faktoren)

Übergriffe:

Instrumentalisierung:

  • Eine Person wird als Werkzeug behandelt, daß ihren Zwecken dienen soll.

Leugnung der Autonomie:

  • Eine Person wird so behandelt, als fehle ihr jegliche Autonomie und Selbstbestimmung

Trägheit:

  • Eine Person wird so behandelt, als fehle es ihr an Handlungsfähigkeit und vielleicht auch an
  • Aktivität

Austauschbarkeit:

  • Eine Person wird so behandelt, als sei sie austauschbar.

Verletzbarkeit:

  • Eine Person wird so behandelt, als brauchten ihre Grenzen nicht repektiert zu werden, so als
  • handele es sich um etwas, das man zerbrechen, zerschlagen oder aufbrechen darf.

Besitzverhältnis:

  • Eine Person wird so behandelt, das einem anderen gehört, das gekauft und verkauft werden kann
    usw.

Leugnung der Subjektivität:

  • Eine Person wird so behandelt, dessen Erleben und Fühlen nicht berücksichtigt zu werden braucht.9

 

Weitere Beispiele:

  • Verwahrlosungserscheinungen, Pauperismus
  • Ungünstiger Schwangerschaftsverlauf- Geburtsmängel wie taktile oder kognitive Einschränkungen
  • Nervengifte wie Nikotin, Alkohol, andere Drogen (auch während der Schwangerschaft): Eingeschränkte physiologische Ausgangsbedingungen: Neuronale Vernetzung, übrige physische Entwicklung
  • Schlechte Wohnverhältnisse; schlechte Ernährung
  • Kriminalität oder "Dissozialität" mindestens eines Elternteils
  • Gewalt: Unfälle, Heimatlosigkeit, Mißhandlung, Schock, Traumata, Trauer- und Verlusterlebnisse
    aller Art: Krieg, Flucht, Tod, Krankheit, Verlust von Freunden, Angehörigen, sozialer Geflechte; auch Ansehen/Betrachten von Gewaltszenen.
  • Fehlende Vorbilder (Modellernen), nicht vorgelebte Verhaltensweisen, Fehlen von Leitbildern und Leitmotiven, Vermeidungsverhalten, fehlende Schulkameraden, Freunde,Verwandtschaftsbeziehungen, Fehlender Anschluß an peer- groups (durch äußere Stigmata z.B.);
  • Elternverlust, Abbrüche von Beziehungen – auch Schulabbrüche, Hinauswürfe, Entlassungen,
  • Heimaufenthalte, Arbeitslosigkeit , Mobbing
  • Unbillige Härten in der Erziehung, fehlende Beziehungen und Bezugspersonen, Rolleneinnahme Erwachsener durch Kinder (falsche Abfolgen), geringe familiäre Harmonie,Scheidung
  • Mangel an Liebe: Inakzeptanz durch Erwachsene, Gleichgültigkeit, mangelnde Ansprache

 

 

 

Schutzfaktoren (Salutogenetische Faktoren)
(nach Aaron Antonovsky:)

Kohärenzsinn/Kohärenzausprägung, von der unser Resilienzvermögen abhängt:

Verstehbarkeit:

Die Ereignisse, die sich im Verlauf des Lebens aus dem Zusammenwirken von Faktoren aus der inneren und äusseren Umgebung ergeben, sind strukturiert, vorhersehbar, erklärbar. 8

Beispiel:

Ankündigen von Ereignissen und Handlungen
(Gegenbeispiel: man nähert sich einem Säugling oder Kleinkind von hinten und hebt es vom Boden auf- das Kind schreit, weil es die Absicht nicht erkennen konnte.)
Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Gewaltlosigkeit, Verbalisieren von Zuständen, Bedürfnissen, Gefühlen; Rückmeldungen.

Handhabbarkeit:

Die Ressourcen sind verfügbar, um den aus den  Ereignissen stammenden Anforderungen gerecht zu werden. 8

 

Beispiel:

  • Machbarkeit, Vergleich und Folgenabschätzung,Aufbauen auf vorhandenen Lösungen, Logik,
    Wertfreiheit,
  • Sprache: Bildhaftigkeit, Emotionalität, Ausdruckstärke; Vielfalt, Fehlertoleranz und Lücken.

Bedeutsamkeit/Sinnhaftigkeit:

Die Anforderungen stellen Herausforderungen dar, die Anstrengung,Interventionen, Engagement lohnen8.

 

Beispiel:

Wunsch und Motiv, das Leben annehmen, wie es ist; Sinn für das gegenwärtig Wesentliche, Beziehungen, Überzeugungen, Glauben,
Hoffnungen, Vorstellungskraft, Traum.

 

Beispiele zur Resilienzförderung:

  • Resiliente Verhaltensweisen vorleben
  • Stabile Beziehungen; Beziehungen stärken, vertrauensbildende Maßnahmen
  • Erleben von Gemeinschaftlichkeit
  • Abwenden und Wegnahme von Leid Anteilnahme- Empathie –
  • Selbstreflexion, freundliche Begleitung (psychosozial)
  • Realistisches Selbstbild, Selbstbewußtsein, Selbstwertgefühl
  • Wahrnehmungsfähigkeit, Aufgeschlossenheit
  • Hoffnung
  • Vorbilder
  • Eigeninitiative, Verantwortung
  • Improvisationsvermögen, Kreativität, Entschlossenheit
  • Nähe, auch durch Kuscheltiere als Übergangsobjekte- Symbol für sichere Beziehung, sicherheitsgebend, symbolische Übertragung
  • Spielen und Basteln: Ausprobieren lassen, schulen der Vorstellungskraft
  • Probleme, Gefühle und Zustände verbalisieren können
  • Vorlesen (besonders) stärkt emotionale Bindung an Bezugspersonen
  • Gesteigerte Wertlegung auf Bildung, lesen, Imagination.
  • Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden, Focussierung auf Wesentliches und Elementares- Kreativität als unerschöpfliche Ressource.
  • Profitieren von Eltern/ Angehörigen, die selbst aktiv Kontakte suchen und halten
  • Kontakt zu Großeltern
  • Folgenabschätzungen treffen können
  • Differenzieren von Möglichkeiten, Einfluß oder keinen Einfluß nehmen zu können
  • Vorbereitungen auf worst cases, „Plan B“, Alternativen entwickeln können,gewöhnliche und ungewöhnliche problemlösende Denkweisen (Prozeß und Ergebnis gleichrangig).
  • Erlernen von nichtverletzenden Konfliktlösungen (nicht forcieren oder zudecken)
  • Gemeinsame Lösungssuche, Zulässigkeit individualistischer Lösungssuche.
  • Selbsttätigkeit.
  • Eher kollektivistische Orientierung, Zusammenhalt, soziale Kohäsion

Salutopädagogische Ziele:

(nach Martha Nußbaum)

 

1. Fähig zu sein, bis zum Ende eines vollständigen menschlichen Lebens leben zu können. Nicht frühzeitig sterben zu müssen.

2. Fähig zu sein, eine gute Gesundheit zu haben (Ernährung, Unterkunft). Sexualität.

3. Vermeidung von unnötigem Schmerz und Leid.

4. Fähig zu sein, die fünf Sinne zu benutzen; fähig zu sein, zu phantasieren, zu  denken und zu schlußfolgern.

5. Fähigkeiten, Bindungen zu Dingen und Personen zu unterhalten. (Liebe, Fürsorge, Dankbarkeit, Sehnsucht, Trauer.)

6. Fähig zu sein, sich eine Auffassung des guten Leben zu bilden (Authentizität, Lebensplanung).

7. Fähigkeit zur sozialen Interaktion (Anerkennung, Mitgliedschaft, Freundschaft, Beruf usw.).

8. Fähig zu sein, in Anteilnahme für und in Beziehung zu Tieren, Pflanzen und zur Welt der Natur zu leben.

9. Fähigkeit zum Lachen, zum Spielen, zur Erholung, zum Genuß usw.

10. Fähig zu sein, das eigene Leben und nicht das von irgend jemand anderem zu leben.

 

 

 

 

Quellen und Erläuterungen dazu:

 

1: Elinor Ostrom, Wirtschaftsnobelpreisträgerin 2009 Umweltökonomin

Der Wirtschaftsnobelpreis 2008 geht zum ersten Mal an eine Frau: Elinor Ostrom.

International bekannt wurde sie vor allem mit ihrem Buch Governing the Commons:

The Evolution of Institutions for Collective Action (1990), in dem sie sich mit Problemen

kollektiven Handelns bei knappen natürlichen Ressourcen, die gemeinschaftlich

genutzt werden (Allmenden), beschäftigt. Sie kam zu dem Ergebnis, dass für eine

angemessene und nachhaltige Bewirtschaftung von lokalen Allmenderessourcen in

vielen Fällen eine institutionalisierte lokale Kooperation der Betroffenen sowohl

staatlicher Kontrolle als auch Privatisierungen überlegen sei.In einem

institutionenökonomischen Ansatz stellte sie zwei voneinander getrennte Probleme

heraus, zum einen die Nutzung und zum anderen die Bereitstellung der Ressourcen

betreffend (Aneignungs- und Bereitstellungsproblem). Anhand der Analyse

zahlreicher Einzelfälle weltweit, wie zum Beispiel regionale

Bewirtschaftungsformen für Hochgebirgsalmen in der Schweiz und Japan sowie

Bewässerungssysteme in Spanien und den Philippinen, zeigt sie erfolgreiche und

gescheiterte Beispiele für die nachhaltige Bewirtschaftung von lokalen

Allmenderessourcen in Selbstorganisation auf.

.Als Resümee ihrer Forschung nennt Ostrom folgende Prinzipien für erfolgreiche

Lösungen von lokalen Allmendeproblemen:

1. Klar definierte Grenzen und einen wirksamen Ausschluss von externen

Nichtberechtigten.

2. Regeln bezüglich der Aneignung und der Bereitstellung der

Allmenderessourcen müssen den lokalen Bedingungen angepasst sein.

3. Die Nutzer können an Vereinbarungen zur Änderung der Regeln

teilnehmen, so dass eine bessere Anpassung an sich ändernde Bedingungen

ermöglicht wird.

4. Überwachung der Einhaltung der Regeln.

5. Abgestufte Sanktionsmöglichkeiten bei Regelverstößen.

6. Mechanismen zur Konfliktlösung.

7. Die Selbstbestimmung der Gemeinde wird durch übergeordnete

Regierungsstellen anerkannt.

Das Problem ist unter dem Namen "Tragik der Allmende" bekannt. Gestützt auf

Fallstudien aus aller Welt zeigt Ostrom, wie die Nutzer stabile Regeln für eine

nachhaltige Bewirtschaftung finden können. Auch Umweltschützer stützen sich auf

die Arbeiten OstromsEines von Ostroms wichtigsten Büchern ist "Governing the

Commons" aus dem Jahre 1990, das auf Deutsch unter dem Titel "Die Verfassung

der Allmende" erschien. Darin finden sich viele Beispiele für Gemeinschaften, die

sich jenseits von Staat und Markt selbst organisieren und die den ökonomischen

Alltag gemeinsam regulieren. So berichtet die Autorin von türkischen Fischern, die

mit Hilfe einer Lotterie die Seegebiete aufteilen, und von Bauern in der Schweiz,

die die Weiden kollektiv bewirtschaften.Ostroms Ansatz lässt sich auch auf globale

Probleme wie den Klimawandel und die Verschmutzung der Meere übertragen. Die

Wissenschaftlerin sucht nach dem passenden "institutionellen Design" für eine

ökologisch verträgliche Wirtschaftsordnung. Manche bezeichnen Ostrom deshalb

als "Öko-Ökonomin". In ihren Arbeiten betont sie stets die Bedeutung einer

möglichst großen Vielfalt an institutionellen Formen: "Wenn ein Ansatz schief
 

geht, haben wir bei Vielfalt die Wahl - dann können wir voneinander lernen." Darin
 

liege auch der Charme des Föderalismus.

Vor zwei Jahren warnte Ostrom in einem Interview vor einer wachsenden Ungleichheit bei den

Einkommen: "Wenn es immer mehr Reiche gibt, die sich für etwas Besseres halten, ist das nicht
 

gut für die Demokratie." Manche Managergehälter seien "einfach obszön". ( Abschnitt und fett gedrucktes Zitat aus:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/367/490740/text/)

 

2: http://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz_%28Psychologie_und_verwandte_Disziplinen%29

3 http://www.123people.com/ext/frm?ti=personensuche%20telefonbuch&search_term

4 http://de.wikipedia.org/wiki/Boris_Cyrulnik

5 http://www.arte.tv/de/suche/2823252.html

6 http://www.kosch.ch/dl/SalutogeneseAntonovsky.pdf7

http://de.wikipedia.org/wiki/Salutogenese

8 http://www.f-netz.ch/pdf/Referat Gesundheitsf%C3%B6rderung imFr%C3%BChbereich Zug.pdf

Siehe ferner auch youtube.com, dort ist ein Ausschnitt eines Vortrags von und mit

Frau Ostrom illustriert, der die oben genannten Thesen in englischer Sprache

wiedergibt.

9 Martha Nußbaum in ihrem Aufsatz „Verdinglichung“, Abschnitt: „Sieben Möglichkeiten, eine Person als Ding zu behandeln“; aus: „Konstruktion der Liebe, des Begehrens, der Fürsorge“, Stuttgart 2002, Reclam- Verlag, Seite 102.

9 http://www.kriminalpraevention.de/index.php?Itemid=29&id=25&option=com_content&task=view

10 www.ghg-wismar.com/archiv/Philosophie/nussbaum.doc

 

Die folgenden links Nr. 11 und Nr. 13  würde ich als "nicht seriös" bezeichnen- sie entspringen eher Verschwörungstheorien- ich habe sie dennoch mit berücksichtigt, weil ich es schon ziemlich besorgniserregend finde, wenn sich Zeitgenossen Gedanken um eine möglicherweise tatsächliche stattfindende Wetterbeeinflussung macht. Ich finde, diese Befürchtungen und die Angst soll man ernst nehmen.

11 http://www.winion.org/navi/links/links-chemtrails.php 

12 http://hahn.1on.de/index.php?serendipity[action]=search&serendipity[searchTerm]=monsanto&serendipity[searchButton]=%3E

13 http://weatherwars.info/?p=92

Eine salutogentische bzw. eine Resilienzskalierung nach Antonovsky gibt es hier:

http://www.123people.com/ext/frm?ti=personensuche%20telefonbuch&search_term=jack%20
block&search_country=US&st=suche%20nach%20personen&target_url=http%3A%2F%2Fen.
wikipedia.org%2Fwiki%2FJack_Block&section=biography&wrt_id=163

 

® Thomas Demuth

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