(Die Fotoserie auf dem übernächsten Menüpunkt gehört zu diesem Artikel.)

Beobachtung eines Bewohners in einer Intensivwohngruppe in Spiel- und Beschäftigungssituationen.


Die Beobachtung der betreffenden Person ergab sich- wie so oft- rein zufällig.


Ich hatte den Auftrag, einen neunjährigen Jungen zu betreuen, der unserer Wohngruppe für einige Tage
zugewiesen wurde, aber nicht dauerhaft dort bleiben kann. Meine Arbeit hatte ich darin gesehen, den Jungen

anzunehmen, egal ob für lange oder kurz.


Zdu meinen jungen Klienten:

Unser Betrieb suchte damals nach einem geeigneterem
Platz für ihn mit etwa gleichaltrigen Kindern.


Da ich rechtzeitig Bescheid wußte, konnte ich mich vorbereiten und meinen „Bastel- Wunderkoffer“
ins Auto packen mit zahlreichen verschiedenen Materialien aus Papier, Pappe, Kunststoff, Metall, Stiften,
Farben, verschiedenen Klebemitteln. So konnte ich ein ziemlich universelles Spiel-/Bastelangebot machen,
zumal ich damit
rechnete, daß der Junge nicht viel mit sich führte und diese Annahme war zutreffend.


Die Idee war, Spielmaterial selbst herzustellen und der Junge ging darauf ein.

Ferner erlebte ich ihn in Brettspielsituationen, ging mit ihm ins Schwimmbad.

Das alles passierte binnen zweieinhalb Tagen.


Außerdem führte ich meinen Hund und freundlichen Begleiter „Funny“ mit mir, der mir wieder mal einen guten Dienst leistete:
nämlich als „Eisbrecher“, um den Erstkontakt anzubahnen.

Den Blickkontakt nahm der Junge nämlich zuerst mit dem Hund, dann mit mir- woraufhin wir uns dann freundlich begrüßten und unsere Namen nannten.

Kind und Hund näherten sich sofort zutraulich und dann waren wir im Gespräch.

 

Das daraus ein Beobachtungsbogen wird, war noch nicht klar. Ich hielt die allerwichtigsten Dinge deshalb
fest, um den Kollegen, die den Jungen weiterbetreuen würden, erste grundlegende Hinweise zu geben, damit sie Spuren aufnehmen können und die Möglichkeit haben, sich von Beginn an intensiver mit dem Jungen zu befassen.

Ein Umstand ist leider auch, das in den Akten der Klienten oft nur die Probleme festgehalten werden, die jemand mit ihnen hat und nur selten ihre Qualitäten.

 

Anhaltspunkte.
 

  •  D. geht um 20 Uhr zu Bett.
  • Geschichte/Märchen vorgelesen- Dimension: Bezug zu anwesender Person- Zuhören- Eingehen- Zusammenhänge herstellen- ggfs ganz kurzes Erläutern- Unverstandenes tolerieren- nur ganz wichtige Fragen des Kindes auflösen- nicht meine. Beziehung, Annahme des Wesens, das ich vor mir habe. Entspannung, Vertrauen. Wegnahme von Angst. Ruhe, Sicherheit schaffen. Ausgeschlafen sein.

 

  • Freundlicher, zugewandter Junge mit Spracherwerbsproblem: kennt Nominative oft nicht, beschreibt/ umschreibt aber sehr gut und verständlich!

Spiel:

  •  Mit Knetmasse (Visuo-/Feinmotorik) nicht ausdauernd! Baut Knetmännchen ohne groß zu formen, Niveau hier eines schwachen Fünfjährigen.

 

  • „Mensch- ärger´ Dich nicht“: Ausdauernd und vor allem fair! Absprachen können getroffen werden.
  •  Erläuterungen (kurz) hierzu kann er gut verstehen.

 

Mit anderen Kindern im Schwimmbad:

  •  D. erschien teils aggressiv, aber nicht verletzend- reagierte prompt, wenn Kleinere sagten „hör´ auf!“.
  •  Deutliches Bestreben: Kontaktsuche, Interaktion gelingt nach längerer Spieldauer auch: (kurze, freundliche Intervention von mir:“nicht so grob- laß die anderen auch mal gewinnen“- klappt, mit Rollenwechseln im Spiel.

 

  •  Vier- Augen- Inititiale von mir an D.: nach Namen fragen: sie rufen sich wenig später gegenseitig ihre Namen zu und sprechen sich damit an.
  •  Verabschieden: D. gibt mehreren TN die Hand und verabschiedet sich freundlich. Ein Junge gibt der Hoffnung Ausdruck, sich wieder zu begegnen.
  • Motorisch unauffällig (bisher- bitte beobachten!)

Ernährung:

  •  Schwierig! Kennt offenbar keine frische Nahrung, alles „iihh“ und „bäh“
  •  Alles anbieten, kombinieren, aber kein Junk!
  •  Allmähliches Hinführen an gesunde Ernährung, keine Diskussionen deswegen bei Tisch.
  •  Ihm klarmachen, das nur das gegessen werden kann, was tatsächlich vorhanden ist- keine Extrawürste- Normalisierung.
  •  Umgang mit Besteck und Serviette unterstützend üben und vormachen.

 

Bett:

  •  Bett aufschütteln kennt er nicht und muß vorgemacht werden. Lüften o.k.; vergißt, Fenster zu schließen.
  •  Hat zusätzlich Plüschdecke bekommen, erspart überheizten Raum und Erkältung.
  •  Abends ruhig Zeit nehmen, um ihn ins Bett zu bringen.
  •  Wollte Tür angelehnt und Licht auf dem Flur anhaben, von letzterem konnte ich ihn abbringen und einen Teil seiner Furcht überflüssig machen.

 

Umgebung, Verhalten darin:

  •  Folgt freundlichen Erläuterungen und erkennt strukturgebende Erläuterungen wieder, findet sich dann gut zurecht; ohne besondere Erläuterung/ Gabe eines einfachen Konzeptes/ Abfolgeerläuterung etwas haltlos—braucht dringend ständige Vertrauensperson täglich für mindestens 3 Stunden, dann wird´s was.

Schwimmen:

  •  Kann sich über Wasser halten, ist aber ein schlechter Schwimmer. Bei Wasser über Stehhöhe durchgehend beaufsichtigen.
  •  Sollte schleunigst einen Schwimmkurs belegen und zwar mit Begleitung eines Pädagogen, weil:

Sprachverständnis:

  •  Wortschatzarmut—braucht Erläuterungen zu Begrifflichkeit/Begriffsbildung, aber auch zur Deutung und Verknüpfung.
  •  Kann Geschriebenes nur mit starker Unterstützung decodieren; Lautverknüpfung zu Buchstaben, Morpheme, Silben zu weiten Teilen fehlen—dringend zum Logopäden!

 

Dann habe ich das Ganze aus der Handschrift analysiert und systematisiert:

 

Beobachtung in chronologischer Abfolge der Situationen

1. Spiel mit Knetmasse

Baut Knetmännchen ohne groß zu formen, nimmt
Knetestangen aus der Schachtel, drückt sie als Strichmännchen aneinander. Nach einem Moment nimmt
er eine weitere Stange, formt daraus eine annähernde Kugel, setzt sie als Kopf auf das Männchen und versieht
es nach weiteren Moment des kurzen Überlegens mit Augen und Mund.


Spanne der Tätigkeit ca. ¼ h.

Danach gibt er an, keine Lust mehr zu haben, mit Knete zu spielen.
Handgeschick ungeschult, nicht flüssig, stockend- Niveau hier eines etwa Fünfjährigen.

Interpretation

Mit Knetmasse (Visuo-
/Feinmotorik) nicht ausdauernd,
sehr unsicher.
D. traut sich nicht über einfachste
Formen hinaus. Auffassungsgabe
wohl aber altersgemäß.

 

Begründung

D. ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden,
sagt zudem sinngemäß, er habe keine
Erfahrung beim Formen mit Knetmasse
(fehlende motorische Erfahrung)

Empfehlung

Würde bei einer Einzelförderung mit solchem oder ähnlichen Material sein Handgeschick bedeutet üben
und verbessern können.

Nicht funktionalisieren, sondern mit künstlerischem Ansatz offen halten.


 

 

2, Spiel: Modellbau eines Bahnhofsgebäudes mit Eisenbahn- Fahrzeugen und anderen Gegenständen mit Pappe und Papier (zum Teil
angeleitetes/abgesprochenes Spiel:
frei abgesprochene Regeln/Vorgehensweisen).

 

Beobachtung

D. geht auf meinen Spielvorschlag erfreut ein. Wir setzen
das Spiel über insgesamt zwei volle Tage hinweg fort.

D. bemalt und dekoriert eine Bahnhofshalle zu einem Teil, bastelt dann eine Draisine und im weiteren Verlauf vier
Güterwaggons aus Pappe.
Probeweise lasse ich ihn mehrfach allein dabei, seine Tätigkeit erlahmt bzw. gibt er auf, weil er, wie er sagt,
nicht weiter weiß.
Während ich da bin und etwas anfertige, bastelt er an seinen seinen Teilen herum. Wenn nicht, stellt er die
Tätigkeit ein.
Ist immer dann, wenn er mich basteln sieht, durchgehend bei der Sache und fordert öfter einmal Hilfe an (etwas
festhalten beim Kleben, etwas vormachen (Modellbildung und darauffolgende Selbsttätigkeit) beim Schneiden,
falzen, biegen).

Bemalungen erledigt er mit Wasserfarbe völlig selbstständig, läßt Pinsel nicht im Wasser stehen, sondern legt sie ab.

Er grundiert nach Absprache über Arbeitsteilung (ich soll „Steine malen“) Teile der Außenwände der Halle mit
Wasserfarbe und versieht die Innenseiten auf meine Anregung hin mit „Kinoplakaten“ aus
Zeitungsausschnitten.

 

Interpretation

Ohne meine Präsenz gelingt es D. nicht, sich alleine zu beschäftigen. Stark verunsichert.
Er fordert keine strikte Anleitung ein, wünscht aber Begleitung. Wird unsicher, wenn er alleine dabei ist
und ist rasch entmutigt.
Möchte sehr gerne weitermachen!

Ist mit seinen Arbeitsergebnisssen zum Schluß zufrieden. Fordert mich an, wenn er mich benötigt, strapaziert dies aber nicht, kann seinem Konzept folgen.
Fühlt sich offensichtlich ernstgenommen,

Begründung

Erzählt mir vor dem Spielangebot, das er Traktoren und Loks klasse findet.

Faßt ohne Begleitung nichts neues an,......äußert dennoch Spielideen (z.B. ein Graffiti für die Bahnhofshalle, eine andere
Variante eines Waggons bauen, andere Lokvarianten, eine ganze Stadt ).

Fragt mich schon morgens, wann es weitergehen kann.

Fordert mich auf, teilzunehmen, sucht um kleine Hilfen nach, folgt aufmerksam beimVormachen.


Bleibt bei einzelnen Arbeitsgängen gut bei der Sache meist bis zum Abschluß eines Arbeitsganges (Klebesequenz, Malsequenz)
 

Während der gesamten Spielphasen springt seine Tätigkeit regelmäßig nach etwa einer Viertelstunde von

einem Gegenstand zum anderen, den wir in Arbeit haben und kann nach ganz kurzer Erklärung


Folgt freundlichen Erläuterungen und erkennt die findet sich dann gut zurecht strukturgebende Erläuterungen gegenständlich wieder,

Spieldauer: über zwei Tage hinweg vormittags und nachmittags fortgesetzt.


Zeitungsausschnitte, einzelne Worte nicht für D. entzifferbar, Betonungen von Silbenund Worten inadäquat, weil der Begriffnicht vollständig gelesen werden konnte-

kennt Nominative oft nicht; beschreibt/ umschreibt das Gemeinte aber sehr gut und verständlich, so daß ein ich ihm einen Begriff geben kann.Kann

Geschriebenes nur mit starker Unterstützung decodieren; Lautverknüpfung zu Buchstaben, Morpheme,Silben zu weiten Teilen fehlen, tastet sich mit Unterstützung (sprechen, klatschen der Silben und Wortmelodie) schrittweise an die vollständige Aussprache eines Wortes heran.
 

Absprachen hinsichtlich Arbeitsteilung (wer baut welches Fahrzeug z.B.) gelingen gut, er zeigt sich absprachenfest, möchte SEIN Produkt konstruieren, wir ergänzen uns.

Braucht Erläuterungen zu Begrifflichkeit/Begriffsbildung, aber auch zur Deutung und Verknüpfung.


Geht auf den Vorschlag, Anhängerkupplungen aus Draht zu basteln, erfreut ein.

Freude von Seiten D.´s. Befaßte sich noch lange danach mit den Gegenständen, setzte sie auf einer von uns mitgebrachten großen
Spielpappe ein, auf der er Gleise malte und seine Modellautos hinzustellte.



 

Empfehlung:

Braucht dringend Gruppenspiel, möglichst ohne vorgefertigte Gegenstände oder sogenanntes Funktionsspielzeug.
Zu Weihnachten: keine von ihm gewünschten Lego-
Modellbausätze, sondern eine Sammlung 2er/4er/6er/8er
Steine, die er universell einsetzen kann.

Mit Bausätzen des Fabrikats mit mehr als 20 Teilen halte ich ihn für völlig überfordert- dazu muß sein eigenes Vorstellungsvermögen probiert werden und heranwachsen.

Erwachsene Begleitung beim Spiel, spielbereite Kinder und Erwachsene


3. Spiel: „Mensch-ärger-Dich nicht“ (Regelspiel)
 

 

Beobachtung:


Von ihm initiierte Spielvariante zu zweit:

Jeder geht mit acht Kegeln zu seinen Zielen und es wird mit zwei Würfeln gewürfelt.
 

Absprachen können getroffen werden.

Erläuterungen, Verständnisfragen von mir dazu (kurz).

Spieldauer: vier Partien, bei denen abwechselnd verloren und gewonnen wird.

Nur zwei zaghafte Versuche des Mogelns. Kommt nicht durch damit.
 

Interpretation:

Das Spiel ist ihm bekannt.

Frustrationstoleranz hier gut
entwickelt.

Begründung:

...wie er zeigt und sagt.

Spielt ausdauernd und vor allem fair!

Freut sich, beharrt aber nicht darauf, bei dieser oder jener Partie der „Bessere“ gewesen zu sein.

 

Empfehlung:


Eröffnen und beibringen neuer Regelspiele:
z.B. „Backgammon“ dürfte erfolgreich sein- hat er in den Grundzügen rasch verstanden- kann man üben- besonders Aufbau und Gegenläufigkeit der Steine.

 

4. Spiel: mit anderen Kindern im Schwimmbad (freies Spiel)

 

Beobachtung:


Spielt „Hund“ und bellt andere Kinder an, die das Kontaktangebot freundlich aufnehmen und „zurückbellen“. Es dauert etwa eine halbe Stunde, bis das Spiel eine Wendung bekommt: Zum Schluß vier etwa gleichaltrigen Kindern, die er zunächst „anbellt“ und die dann gemeinsam ein Lauf- und Fangspiel initiieren. Ab und zu wechseln die Rollen von Fänger und dem, dem nachgelaufen wird.

Bei zu langer Dauer des Einzellaufens wechseln sich die Kinder ohne weitere Formalitäten ab.


D. wirkte teils etwas aggressiv auf Kleinere, reagierte mehrmals prompt, wenn Kleinere sagten „hör´ auf!“, als
er sich in Imponierhaltung näherte und nahm dann davon sofort Abstand.

Kurze, freundliche Vier- Augen- Interventionen von mir: “nicht so grob- laß die anderen auch mal gewinnen“- klappt mit dem Rollenwechsel

Nach Namen fragen: Initiale von mir: "Hast Du mal nachgefragt, wie sie heißen? Sei auch Gentleman und sag´ ihnen, wie Du heißt. Dann kann man sich besser anreden."
Sie rufen sich wenig später gegenseitig immer wieder ihre Namen zu und sprechen sich damit an.

Sinn meiner Intervention: mithelfen, die Kontaktdauer und -intensität zu unterstützen über Fairness/Höflichkeit/social skills.
Verabschieden:
D. macht den Anfang, gibt mehreren TN die Hand und verabschiedet sich
freundlich, alle schlagen freudig wechselseitig ein. Herzlicher Abschied.

 

Interpretation:

Fröhlich, denkt an Hund, erster Versuch der Kontaktaufnahme gelingt!

Durch seine überdurchschnittliche Körpergröße (wie ca. 11- 12- jähriger) und bei kleineren TN teils eingenommene Imponierhaltung fühlten sich zwei TN bedrängthatten ihn vielleicht auch überschätzt.

Insgesamt fünf Kinder rufen sich wenig später gegenseitig ihre Namen zu und sprechen sich damit an.
 

Gegenseitige Freundlichkeit nimmt im Spielverlauf zu, phys. Annäherung.
 

Höflicher Abschied, gegenseitige Aussage:man hofft, sich einmal wiederzutreffen.

Motorisch unauffällig (bisher-bitte beobachten!)
 

Kann sich über Wasser halten, ist aber ein schlechter Schwimmer.

 

Empfehlung:

Bei Wasser über Stehhöhe Bewachung/Aufsicht.

Sollte schleunigst einen Schwimmkurs belegen und zwar mit Begleitung eines Pädagogen, damit im Schwimmkurs Gesprochenes sicher verstanden wird.



 

Kurze Reflektion des Gesehenen und Erlebten:

Der handschriftliche Text wird dem Jungen bei weitem nicht gerecht und ist eilig geschrieben.

Wahrnehmung und Interpretation sind hier ungeordnet wiedergegeben, werden dann systematisiert und analysiert.


Er entspricht nicht dem, was man unter einer professionellen Kurzbeobachtung  aus konventionellen Beobachtungsbögen versteht, liefert dennoch dichte Hinweise.


Aus dem Gedächtnis wurde vieles ergänzt, was im Manuskript gar nicht aufgeführt ist und im Nachhinein von großer Wichtigkeit scheint.

In der Tabelle (hier aus Layoutgründe Fließtext)  wurde sich auf Spielsituationen konzentriert- gleich vier Spiele völlig unterschiedlichen Genres geben viele Hinweise auf die Person, mit der ich zu tun hatte und lassen erste Empfehlungen zu.

Ursprünglich wollte ich den Inhalt dieser Beobachtung auf den „Darmstädter Beobachtungsbogen“ transferieren, weil der mir von allen mir
vorliegenden am Geeignetsten erschien.

Jedoch ist der nur für eine Einzel- Kurz- Sequenz ausgelegt (etwa nur ein Spiel z.B.) und in diesem Fall mit der vorliegenden Dichte
wenig tauglich ist, weil sich vieles der vorliegenden Beobachtung aus der vertikalen (und auch horizontalen) Verknüpfung der Spielabfolge
ergibt, wie sie tatsächlich stattgefunden hat und der Beobachtungszeitraum sich über insgesamt zweieinhalb Tage erstreckte, in denen ich
intensiv mit dem Kind befaßt war.

Das wird in der Beobachtung sicherlich deutlich.

In einem konventionellen Beobachtungsbogen würde dies wohl den Rahmen sprengen. Hinweisdichte sollte aber im Umgang mit intensiv bedürftigen

Personen möglichst auch im intensiven Umgang erarbeitet werden, weil Zeitspannen in Beschäftigung und Beobachtung sonst zu große Kohärenzlücken für einen Menschen auflassen, in denen er dann in Zweifel und Labilität gerät. Intensive Beschäftigung schafft Sicherheit für die Betreuten und schafft ihnen und dem Betreuer Gründlichkeit und Verlaß.

 

Der Darmstädter Bogen ist gut, wenn er sequentiell wiederholt ausgefüllt wird. Dazu gehört striktes Einplanen einer Person, die für die Spielbeteiligten neutralisiert werden muß, aber dennoch Vertrauensperson ist. (Neutralisieren durch Erklärung, Ritualisierung: z.B. Tragen einer "Tarnkappe" oder eines besonderen bildhaften Zeichens, deutlich erkennbar für Kinder.


Deutlich wird, wo das Kind Ressourcen hat und wo in dieser Hinsicht sehr wahrscheinlich angeknüpft und entwickelt werden kann, wenn die
gegebenen Empfehlungen befolgt werden (können).
Der Name des Kindes ist anonymisiert worden.


Im Nachhinein fand ich z.B. den Verdacht einer Spracherwerbsproblematik bestätigt:

aus der Aktenlage und Arztberichten ging hervor, daß es in früher Kindheit so gut wie keine Sprachvorbilder gab-.
 

Die allerwichtigsten Empfehlungen für D. sind:

1. Schwimmen lernen,damit keine akut lebensbedrohlichen Situationen z.B. in Schwimmbädern oder freien Gewässern entstehen können.

2. Wenigstens drei Stunden täglich Einzelförderung in jeder möglichen Weise durch einen fest zugeteilten Pädagogen.

3. Gleichaltrige Spielkameraden.

4. Heranführen an geringen oder keinen Fernsehkonsum, an Selbstbeschäftigung heranführen.

5. Vernünftige Ernährung, glutamatfrei, Salz und Zucker nicht zusätzlich einsetzen, keine künstlichen Farbstoffe. Viel Bewegung, frische Luft und Spiel.

6. Anschaffen einer einfachen Ganzjahresgarnitur von witterungsentsprechender Kleidung, die farblich und stilistisch immer wieder zusammenpaßt.

7. Heranführen an den Umgang mit und Verhalten von (Säuge-) Tieren: Hund, ggfs. Reiten, Bauernhof.

8. Schaukeln im Garten. Hängematte im eigenen Zimmer und /oder draußen; Selbstberuhigungsmöglichkeit.



 

 ©Thomas Demuth

Die Namen, die in diesem Artikel vorkommen, sind anonymisiert und pseudonymisiert. Konkrete Zeitangaben außer dem des Datums der Erstellung des Textes kommen absichtlich nicht vor.




 

Nach oben